S chon immer war ich daran interessiert, Dingen, die mir begegnen, mit unterschiedlichsten Materialien eine Form zu geben.

Wie es vermutlich jedem Laien gebührt, entsprechend stümperhaft.

Erst als ich vor einigen Jahren ein Seminar an der Schnitzerschule Geisler-Moroder im Lechtal besucht hatte, wurde mir klar, was ernsthaftes "Schnitzen" wirklich bedeutet.
Diese Erfahrung war gut, weil sich dadurch eine gesunde Bescheidenheit einstellte. Da ich den Beruf der Holzschnitzer und Holzbildhauer sehr zu schätzen lernte, nenne ich mich auch
"Holzformer", zumal es mir hauptsächlich darum geht, Dingen und Nichtdingen Form zu verleihen.

In dem Versuch, Geschehenem, Erlebtem, Gefühltem und Erinnertem, Form zu geben, bot sich der Werkstoff Holz als Medium an, da er warm, geschmeidig, anschmiegsam und widerspenstig, spröde, hart und weich (fast die Beschreibung für einen Menschen), also alles ist.

Mehrmonatige Reisen durch Indien mit den angrenzenden Ländern Pakistan, Kaschmir, Ladakh, Nepal und Sri Lanka, halfen mir die Augen zu öffnen. Jahrzehntelanger Umgang mit behinderten und ausgegrenzten Menschen hat mir die Sinne geschärft.

So gewappnet, wagte und wage ich mich in immer größere Dimensionen vor.

Ernst Müller